Historisches

Eisenbahnplakate im Wandel der Zeit

Seit dem Beginn des Eisenbahnzeitalters werben Plakate für den Gebrauch dieses Verkehrsmittels. Diese haben sich im Laufe der Zeit aber enorm gewandelt - jede Epoche hat ihren Plakatstil. Steigen Sie ein, wir machen eine Zeitreise durch die Plakatwelt der Schweizerischen Eisenbahnen!

Plakate der Privatbahnen im 19. Jahrhundert

Ein typisches Merkmal der frühesten Eisenbahnplakate war, dass sie Fahrpläne, Streckeninformationen und Landschaftsansichten vereinten. Die Plakate sollten nicht nur hübsch aussehen, sondern den Reisenden auch nützliche Informationen bieten.

Gotthardbahn 1897Jura-Simplon-Bahn 1890
Links: Plakat der Gotthardbahn, 1897, Künstler unbekannt. Quelle: SBB Infothek, Bern
Rechts: Plakat der Jura-Simplon-Bahn, 1890, Künstler: F. Conrad. Quelle: Sammlung Verkehrshaus der Schweiz, Luzern

Zimelich rasch begann dann das hübsche Landschaftsbild zu dominieren. Es entstanden richtige Kunstwerke, die die Schweiz von ihrer schönsten Seite zeigen sollten. Diese Plakate richteten sich in erster Linie an die ausländische Oberschicht, die man für Ferien in der Schweiz gewinnen wollte. Die Eisenbahn musste gar nicht mehr unbedingt aufs Bild, wer in der Schweiz reisen wollte, war ohnehin auf sie angewiesen.

Jura-Simplon-Bahn, 1895Visp-Zermatt-Bahn, 1895
Links: Plakat der Jura-Simplon-Bahn, 1895, Künstler: Hugo d'Alesi. Quelle: Sammlung Verkehrshaus der Schweiz, Luzern
Rechts: Plakat der Visp-Zermatt-Bahn, 1895, Künstler: Hugo d'Alesi. Quelle: SBB Infothek, Bern

Die erste Plakatkampagne der SBB

Im frühen 20. Jahrhundert entstand die SBB aus einigen grossen Privatbahnen und versuchte von nun an, die Menschen in die Züge zu locken. Auch hier sollten wieder reiche ausländische Touristen ins Land geholt werden und so dominierten eindrückliche Landschaften mit idyllischen Szenen auf den Plakaten. Für die Benützung der Bahn musste weiterhin nicht geworben werden, gab es doch nach wie vor kein konkurrenzfähiges Verkehrsmittel. Unten sehen Sie zwei Beispiele aus der ersten Plakatkampagne der SBB.

SBB, 1904SBB, 1904
Links: Plakat der SBB, 1904, Künstler: Plinio Colombi. Quelle: SBB Infothek, Bern
Rechts: Plakat der SBB, 1904, Künstler: Edmond Bille. Quelle: SBB Infothek, Bern

Während den Weltkriegen

Die Grenzen waren zu und die ausländischen Touristen blieben aus. Die Werbung der Bahnen richtete sich deshalb während dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg an das Schweizer Volk. Mit farbenfroh gemalten Plakaten (die Fotografie war der politischen Propaganda vorbehalten) versuchte man die Menschen vom grauen Kriegsalltag abzulenken und zu Ausflügen zu motivieren. Jedoch kam während des Ersten Weltkrieges der Bahnverkehr wegen Kohlemangels fast gänzlich zum Erliegen und der Fahrplan musste massiv ausgedünnt werden. Im Zweiten Weltkrieg war das Schweizerische Eisenbahnnetz hingegen schon weitgehend elektrifiziert und man war nicht mehr auf importierte Kohle angewiesen. Der Fahrplan konnte nun grösstenteils eingehalten werden.
Unten sehen Sie zwei Plakate aus Kriegszeiten.

SBB, 1918SBB, 1940
Links: Plakat der SBB, 1918, Künstler: Augusto Giacometti. Quelle: SBB Infothek, Bern
Rechts: Plakat der SBB, 1940, Künstler: Hans Erni. Quelle: SBB Infothek, Bern

Die Nachkriegszeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Individualverkehr enorm auf. Das Automobil wurde zum Inbegriff von Freiheit und Unabhängigkeit, die Eisenbahn wurde von vielen als veraltet betrachtet. Die Bahnen sahen sich auf einmal der massiven Konkurrenz der Strasse gegenüber, zumal der Autobahnbau ins Rollen kam.
Doch der Strassenverkehr hatte auch seine negativen Seiten: die Zahl der Verkehrstoten stieg massiv an und kritische Stimmen bemängelten die Umweltbelastung. So griffen die SBB für die Werbung in jener Zeit die Themen Sicherheit und Umweltschutz auf. Unten sehen Sie zwei Plakate aus den 1970er Jahren.

SBB, 1976SBB, 1977
Links: Plakat der SBB, 1976, Künstler: Philipp Giegel. Quelle: SBB Infothek, Bern
Rechts: Plakat der SBB, 1977, Künstler: Hermann M. Eggmann. Quelle: SBB Infothek, Bern

Zu Beginn der 1980er Jahre tauchten einige SBB-Plakate auf, auf welchen Modelleisenbahnen durchs Bild fuhren. Zum Beispiel dieses hier:

SBB, 1982
Oben: Plakat der SBB, 1982, Agentur: Young & Rubicam. Quelle: SBB Werbung, Bern

In den 1980er Jahren dominierten eine Weile die Uniformmütze des Zugführers und dessen legendäre rote Tasche die Werbeplakate der SBB. Diese beiden Erkennungsmerkmale waren bereits kleinen Kindern ein Begriff. (Ich selbst war damals auch ein Kind und ich kann mich noch gut an die Herren mit der schwarzen Mütze und der roten Tasche erinnern!)
Weitere Themen waren in dieser Zeit die seit 1980 bestehende direkte Anbindung der SBB mittels eines unterirdischen Bahnhofs an den Flughafen Zürich-Kloten und das Halbtax-Abonnement, das dank staatlicher Subventionierung ab 1987 für 100 Franken zu haben war, nachdem es zuvor 360 Fr. gekostet hatte. Dies, um vermehrt Reisende von der Strasse auf die Schiene zu locken. Damals zierte das Portrait des Tessiner Barockarchitekts Francesco Borromini die Hunderternote und kurzerhand tauchte seine Visage auch auf den Werbeplakaten der SBB auf, um für das Halbtax-Abo Werbung zu machen.

SBB, 1987SBB, 1989
Links: Plakat der SBB, 1987, Agentur: GGK. Quelle: SBB Werbung, Bern
Rechts: Plakat der SBB, 1989, Agentur: GGK. Quelle: SBB Werbung, Bern

SBB, 1987
SBB, 1988
Oben: Plakat der SBB, 1987, Agentur: GGK. Quelle: SBB Werbung, Bern
Unten: Plakat der SBB, 1988, Agentur: GGK. Quelle: SBB Werbung, Bern

in den 1990er Jahren kamen gefühlsbetonte Plakate bei den SBB auf. Schwarzweiss-Fotografien von nachdenklichen oder Emotionen zeigenden Menschen zierten die Plakatwände, ergänzt mit einem treffenden Spruch. Mit der Zeit wurde der Text an das Informations- und Beschilderungsschema an den SBB-Bahnhöfen angepasst, das heisst weisser Text auf blauem Grund. In dieser Kampagne erschienen auch ganz schlichte Plakate ohne Bild, lediglich mit weissem Text auf blauem Grund, zum Beispiel: "Seit wann haben Berner und Zürcher so viele gemeinsame Züge?" oder "Nichts tun und trotzdem befördert werden?"

SBB, 1990SBB, 1993
Links: Plakat der SBB, 1990, Agentur: GGK. Quelle: SBB Werbung, Bern
Rechts: Plakat der SBB, 1993, Agentur: GGK. Quelle: SBB Werbung, Bern

Zum Schluss noch ein Plakat aus der Werbekampagne 1999/2000. Das Beschriftungsschema blieb auch hier dasselbe.

SBB, 2000
Plakat der SBB, 2000, Agentur: McCann-Erickson. Quelle: SBB Werbung, Bern

Möchten Sie historische Eisenbahnplakate als Wandschmuck erwerben? Auf der Homepage von SBB Historic können Sie Replikas von historischen Plakaten anfertigen lassen. Ausserdem finden Sie dort für jedes Jahr einen Kalender mit zwölf Abbildungen alter Plakate.

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